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Der KEV sucht Gastfamilien: Ein Erfahrungsbericht

Der KEV sucht Gastfamilien: Ein Erfahrungsbericht

Die Zeiten ändern sich: Immer jüngere Menschen und damit natürlich auch Eishockeyspieler wechseln ihre Basis, ziehen um, weil sie an anderen Orten bessere Perspektiven für ihre persönliche Entwicklung, Ausbildung oder das sportliche Weiterkommen sehen. So ist es auch in unserem Sport. Immer jünger werden die Spieler, die gerne in Krefeld ausgebildet werden wollen. Das Krefelder Internat darf Spieler erst ab dem 16. Lebensjahr beherbergen. Daher ist der Verein auf die Kooperation mit Gastfamilien angewiesen. Die Suche danach gestaltet sich oft schwierig, denn mit der Aufnahme eines fremden Jugendlichen gehen so viele Fragen und Ungewissheiten einher: Wozu bin ich verpflichtet, was darf ich, was muss ich, wie wird der Gast wohl sein, wie sieht der Aufwand aus…? Die Liste der ungeklärten Dinge ist lang. Schon aus diesem Grund entscheiden sich viele dagegen, ein weiteres Familienmitglied aufzunehmen.

Familie Pape aus Krefeld hat sich dafür entschieden. Zwei Jahre beherbergen die Papes nun einen polnischen Spieler, der wegen des Eishockeys nach Krefeld gezogen ist, und sich zu einem Leistungsträger der U17-Mannschaft entwickelt hat. Unser Bild zeigt Matthi Pape mit seinem neuen „Gastbruder“ Kacper. Wir haben mit Thomas Pape gesprochen, der sich mit seiner Frau und seinem Sohn aktiv für eine Gastfamilienrolle entschieden hat.

1) Thomas, wie kam es dazu, dass ihr einen Jugendlichen aufgenommen habt?

Thomas Pape:

Ich habe diesen Spieler im Probetraining beobachtet, und war spontan der Ansicht, dass er uns im Gesamtmannschaftsgefüge sportlich sehr helfen würde. Da gab es auch entsprechend positive Rückmeldung seitens der Coaches, verbunden mit einer scheinbaren Aussichtslosigkeit, diesem Spieler hier eine Heimat bieten zu können. Da meine Frau perfekt polnisch spricht, habe ich sie gebeten, die Eltern spontan anzusprechen, welche Vorstellungen und Perspektiven sie für einen Auslandsaufenthalt ihres Sohnes vordergründig in Betracht ziehen würden. Somit war schnell der Erstkontakt geknüpft. Ferner kam vom Coach die Rückmeldung, der Spieler würde sportlich helfen, wegen fehlender Unterbringung sei eine Aufnahme aber wohl kaum realisierbar. Das hat uns angespornt, zumindest auszuloten, ob hier die Möglichkeit der Gastfamilienunterbringung in Erwägung zu ziehen ist. Da wir schon ein Jahr zuvor einen Gastspieler aufnehmen wollten, war nun relativ schnell ein einwöchiges „Probewohnen“ während des Sommertrainings vereinbart.

2) Was sind die Schwierigkeiten, die mit einem Gast einhergehen?

Thomas Pape:

Entscheidend ist zunächst, unbedingt ein „Probewohnen“ zu vereinbaren. Dabei erkennt man, ob die Konstellation „Gast“ zur Familienstruktur und im Besonderen zum eigenen Kind passt. Unabdingbar ist weiterhin, dass sich die Jugendlichen gut verstehen und ein harmonisches Miteinander gegeben ist. In unserem Fall haben alle eine Woche zusammengewohnt, um alle wichtigen Inhalte einander zu kommunizieren und sich intensiv kennenzulernen. Unsere Erfahrung war nach dieser Woche sehr positiv, da die „Chemie“ zwischen den Jugendlichen stimmte und relativ schnell ein Einklang zwischen Sport und Schule erfolgte. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das alles Entscheidende das Miteinander der Jugendlichen ist. Hier bedarf es einer erkennbaren gemeinsamen Linie, welche sich partnerschaftlich und im besten Fall freundschaftlich darstellen sollte.  Auch im Bezug zu den weiteren Familienmitgliedern sollte es keine groben Unstimmigkeiten geben. Schwierig ist bei positivem Verlauf aller angesprochenen Inhalte ausschließlich das Erlernen der Sprache im Fall eines ausländischen Spielers.  Hier ist Geduld und Unterstützung wichtig, aber in der Realität ergeben sich auch in diesem Prozess viele, einfach fast lustige Momente. Es macht Freude, die Fortschritte zu begleiten. Hier sei aber noch erwähnt, dass meine Frau die Muttersprache des Gastes spricht und somit bei dringenden Problemen immer schnell helfen konnte. Ein deutschsprachiger Spieler ist einfacher zu integrieren. Die Gastfamilie sollte nach dem Probewohnen den Gast als Bereicherung für die eigene Familie wahrnehmen.

3) Wie läuft bei Euch der Alltag mit einem weiteren Familienmitglied ab?

Thomas Pape:

Ehrlich gesagt, da wir nach dem „Probewohnen“ einen positiven Eindruck hatten, ist außer der Gesamtorganisation des Alltags, welche uns durch den gemeinsamen Schulbesuch der Jugendlichen sehr vereinfacht wurde, nur die passende Erhöhung der täglichen Mahlzeiten irgendwie zunächst schwergefallen. Aber ansonsten kannten alle im Voraus die vereinbarten Regularien und es haben sich schnell auch viele gemeinsame familiäre Unternehmungen ergeben, wie auch mit Teamkameraden. Dies haben wir gerade in der Anfangsphase sehr stark unterstützt.

4) Was ist für Dich ein großer Vorteil von einem Gast in der Familie? Warum sollte man zumindest einmal darüber nachdenken, ein weiteres Mitglied aufzunehmen?

Thomas Pape:

In unserem Fall war es auch die Tatsache, dass wir immer versucht haben, dafür zu sorgen, dass unser Sohn nicht als „klassisches“ Einzelkind aufwächst, sondern permanent mit anderen Gleichaltrigen im Austausch steht. Im Einklang mit dem Sport hat sich das enorm positiv entwickelt, denn das „Gastkind“ ist ein vollwertiges Familienmitglied und somit quasi ein Bruder. Das positive Miteinander der Jugendlichen war der nachhaltig angenehmste Aspekt. Natürlich hat es mich gefreut, dass sich auch der sportliche Erfolg gemäß der ursprünglichen Einschätzung einstellte. An dieser Stelle sei nochmal ausdrücklich erwähnt, dass eine Gastfamilie nicht sportartgebunden sein muss. Die entscheidenden Inhalte sind das soziale, gemeinschaftliche Miteinander und die im positiven Fall absolute Bereicherung des gesamten Familienlebens. Da wird auch manchmal eine Art „Betriebsblindheit“ korrigiert und man entwickelt viele neue Ideen.

5) Was muss man alles bedenken, wenn man sich dazu entscheidet? Stichwort Schule, Behördengänge, Erziehungsrecht, Unterhaltszahlungen etc.?

Thomas Pape:

Behördlich bedarf es der Meldung beim Ordnungsamt, die Schule sollte man im Einklang mit den Eltern des Gastes individuell wählen (am besten:  Letzte Woche des vorigen Schuljahres oder eine Woche vor Sommerferienende). Der Schulvertrag ist behördlich nachzuweisen. Das Erziehungsrecht vor Ort haben die Gasteltern und sollten unbedingt im Einklang mit den Eltern des Gastes Regularien vereinbaren.: z.B. Internetnutzung, diverse Besonderheiten, etc. Diese Dinge sollten dann auch gegebenenfalls abweichend vom eigenen Kind umgesetzt werden, denn hier haben die Erziehungswünsche der Eltern des Gastkindes Vorrang. In unserem Fall waren das aber minimale Abweichungen. Bezüglich der Zahlungen haben wir in der „Probewoche“ die Kosten vorermittelt und versucht einzuschätzen. Wir kommen auf 400€ monatlich, incl. Waschen, Essen sowie gemeinsame Fahrten zu Trainingseinheiten, Auswärtsspielen und Unternehmungen.  Nach fast zwei Jahren liegen wir in diesem Rahmen immer noch richtig.

6) Was habt ihr aus Eurem Engagement gelernt und würdet ihr das Projekt weiterempfehlen?

Thomas Pape:

Das alles Entscheidende ist das Zusammenwirken des Gastes mit den im Haushalt lebenden Jugendlichen sowie deren Eltern. Sofern das passt, ist ein solches Projekt ein Gewinn und eine extreme Bereicherung für alle Beteiligten. An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, dass einige Inhalte im Falle der Aufnahme deutschsprachiger Gäste zunächst einfacher erscheinen werden. Nichtsdestotrotz würden wir auch jederzeit wieder einen ausländischen Spieler beherbergen.

7) Du sagtest uns, Du würdest gern als Berater neuen Gastfamilien zur Verfügung stehen und sie als „Pate“ bei Fragen unterstützen?

Thomas Pape:

Das unterstütze ich jederzeit und helfe gerne bei allen Fragen und Formalitäten. Viele Dinge kann man dann doch detaillierter erläutern. Wer noch abwägen möchte, aber   grundsätzlich einen Gastjugendlichen/-e aufzunehmen bereit ist, kann sich jederzeit bei mir melden.

Der KEV sucht immer Gastfamilien für die vielen Spieler, die noch nicht das 16. Lebensjahr vollendet haben und dennoch gerne in einer der besten Ausbildungsvereinen Deutschlands ausgebildet werden wollen. Bewerbungen schicken Sie gern an kev@kev81.de und geben diese Infos an Bekannte weiter. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften. Bei Fragen zu Gastfamilien vermitteln wir gern den Kontakt zu Thomas Pape, der künftig unseren Gastfamilien beratend zur Seite stehen wird.

 

 

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